Zahnmedikamente in der Schwangerschaft: Was Sie meiden sollten
Viele Zahnmedikamente sind in der Schwangerschaft möglich, einige werden meist gemieden. Welche Antibiotika Babyzähne verfärben können und wie Schmerzmittel gewählt werden.
Auf einen Blick
- Antibiotika aus der Tetracyclin-Gruppe werden meist vermieden
- Bei Zahnschmerzen ist Paracetamol meist erste Wahl
- NSAR wie Ibuprofen ab der 20. Woche meiden
Tut in der Schwangerschaft ein Zahn weh, ist die erste Sorge oft, ob man überhaupt etwas einnehmen darf. Manche halten die Schmerzen deshalb aus, andere greifen einfach zu Tabletten aus der Hausapotheke. Hier lesen Sie, welche Grundregeln für Zahnmedikamente in der Schwangerschaft gelten und was Sie beim Verschreiben sagen sollten.
Nur wenige Medikamente sind tabu
Viele Medikamente aus der Zahnmedizin sind auch in der Schwangerschaft möglich. Einige werden aber in der Regel gemieden. Deshalb gilt bei jedem Medikament: zuerst sagen, dass Sie schwanger sind, dann verschreiben lassen.
Antibiotika aus der Tetracyclin-Gruppe werden in der Schwangerschaft in der Regel gemieden. Dazu gehören Tetracyclin, Doxycyclin und Minocyclin. Die Zähne des Babys bilden sich schon in der frühen Schwangerschaft, und diese Mittel lagern sich in die entstehenden Zähne ein. Sie können die Zähne des Babys verfärben. Farbe und Muster hängen davon ab, wann und wie stark das Baby ihnen ausgesetzt war. Eine solche Verfärbung bleibt auch, wenn die Zähne fertig gewachsen sind.
Bei Schmerzmitteln wird in der Zahnmedizin meist zuerst an Paracetamol (Acetaminophen) gedacht. Wie viel und wie lange Sie es nehmen, richtet sich nach der ärztlichen Anweisung.
Von NSAR wie Ibuprofen wird ab der 20. Schwangerschaftswoche abgeraten. Auch wenn Sie ein Mittel sonst immer zu Hause haben und nehmen: In der Schwangerschaft nehmen Sie es besser nicht auf eigene Faust.
Brauchen Sie ein Antibiotikum, wählen Zahnarzt und Frauenarzt es gemeinsam aus. Welches Mittel infrage kommt, hängt vom Ausmaß der Entzündung, der Schwangerschaftswoche und Ihrem Gesundheitszustand ab.
Viele glauben, in der Schwangerschaft dürfe man gar keine Medikamente nehmen. Entscheidend ist aber, die zu meidenden Mittel wegzulassen und die nötigen richtig einzusetzen. Entzündungen und Schmerzen lange unbehandelt zu lassen, belastet Ihren Körper ebenfalls.
So gehen Sie beim Verschreiben vor
Merken Sie sich in der Praxis nur diese Reihenfolge:
- Sagen Sie vor der Behandlung zuerst, dass Sie schwanger sind und in welcher Woche.
- Nennen Sie alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die Sie gerade nehmen. Eine Liste im Handy ist praktisch.
- Sind Sie unsicher, ob ein verschriebenes Mittel in der Schwangerschaft in Ordnung ist, fragen Sie gleich vor Ort.
- Halten Sie sich an die erklärte Dosis und Dauer.
- Geben Sie dieselbe Liste auch Ihrer Frauenarztpraxis, damit beide Stellen dieselben Informationen haben.
Einige Fehler kommen häufig vor:
- Schmerzen aushalten, weil man sich wegen der Medikamente sorgt: Bleibt die Ursache bestehen, wird die Entzündung größer, und am Ende sind womöglich mehr Medikamente und Behandlung nötig.
- Ein verschriebenes Antibiotikum eigenmächtig absetzen, weil es einem besser geht: Setzen Sie verschriebene Medikamente nicht selbst ab. Sprechen Sie bei Bedenken mit der Person, die es verschrieben hat.
- Schmerz- oder Erkältungsmittel aus der Hausapotheke ungeprüft nehmen: Kombinationspräparate können ein NSAR enthalten. Sagen Sie in der Apotheke, dass Sie schwanger sind, und lassen Sie es prüfen. Wurde Ihnen aber niedrig dosiertes Aspirin ärztlich verordnet, setzen Sie es nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Praxis.
Häufige Fragen
Ich habe ein Medikament genommen, ohne zu wissen, dass ich schwanger bin. Was nun?
Statt sich allein zu sorgen, notieren Sie Namen und Zeitpunkt der Einnahme und sprechen Sie mit Ihrer Frauenarztpraxis. Die Einschätzung hängt davon ab, welches Mittel wann genommen wurde. Ein Gespräch mit Fachleuten ist am genauesten.
Muss ich auch die Betäubung beim Zahnarzt meiden?
Die örtliche Betäubung in der Zahnarztpraxis ist auch in der Schwangerschaft möglich. Mit Betäubung entspannt behandelt zu werden, belastet Ihren Körper weniger, als Schmerzen auszuhalten.
Kann ich mich mit Schmerzmitteln bis nach der Geburt behelfen?
Brauchen Sie wegen der Schmerzen Schmerzmittel, ist es sicherer, die Ursache zu behandeln. Für Sie und Ihr Baby ist es besser, die Ursache beim Zahnarzt zu beheben, als lange Medikamente zu nehmen.
Ich sorge mich um Verfärbungen der Babyzähne. Sind alle Antibiotika gefährlich?
Nein. Wegen möglicher Verfärbungen der Babyzähne wird die Tetracyclin-Gruppe gemieden. Andere Antibiotika wählen Zahnarzt und Frauenarzt bei Bedarf gemeinsam aus.
Muss ich auch in der Stillzeit aufpassen?
Auch in der Stillzeit sind Zahnbehandlungen und örtliche Betäubung möglich. Wegen einer üblichen örtlichen Betäubung müssen Sie weder das Stillen unterbrechen noch Muttermilch wegschütten. Verschriebene Medikamente und Sedierung werden gesondert geprüft. Sagen Sie deshalb vor Behandlung und Verschreibung, dass Sie stillen, dann wird entsprechend gewählt.
Wann Sie zum Zahnarzt sollten
- Ein Zahn tut so weh, dass Sie zu Schmerzmitteln greifen
- Zahnschmerzen stören den Schlaf oder das Essen
- Zahnfleisch oder Gesicht schwellen an
- Schmerzen oder Schwellung bessern sich trotz verschriebener Medikamente nicht
- Nach der Einnahme eines Medikaments tritt eine ungewöhnliche Reaktion auf (informieren Sie auch Ihre Frauenarztpraxis)
Zur richtigen Zeit erinnert werden
Geben Sie in der App Zahnkalender das Geburtsdatum Ihres Kindes (oder den Geburtstermin) ein, und diese Artikel erreichen Sie als Erinnerung genau dann, wenn sie wichtig sind. Kostenlos, ohne Anmeldung.
Quellen
- ACOG · Committee Opinion No. 569: Oral Health Care During Pregnancy and Through the Lifespan (2013)
- FDA · Medicine and Pregnancy (2023)
Die Informationen in diesem Artikel dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine zahnärztliche Behandlung. Sprechen Sie mit einer Zahnärztin oder einem Zahnarzt über die Situation Ihres Kindes.